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Curia Minor

Curia Minor

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Die weltlichen Kurfürsten üben per Pferd ihre Hofämter aus

 

 

 

 

Das tägliche Leben bei Hofe konnte recht eintönig verlaufen, besonders wenn sich der König in einer entlegenen Pfalz aufhielt. Abwechslung brachten politische Ereignisse, etwa in Form der Hoftage, auf denen der König mit den Fürsten und dem hohen Adel zusammentraf, der Besuch hoher Gäste am Königshof oder große Feste, die mit allem erdenklichen Prunk gefeiert wurden. Zahlreiche Chronisten berichten in farbigen Details über derartige Feierlichkeiten, etwa über das berühmte Mainzer Hoffest unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa 1184 oder den prunkvollen Mainzer Hoftag Kaiser Friedrich II. 1235. Neben großen Feiern, die anlässlich der Krönung, der Vermählung oder der Geburt eines Thronfolgers stattfanden und in prunvollen Festmählern gipfelten, zählten auch großangelegte Treibjagden, Pferderennen, ritterliche Spiele und Turniere, die im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit ihren Höhepunkt erreichen, zu den Abwechslungen im Alltag des Königs und seines Hofes.

Königshof, Hofämter und Hofordnungen

Die deutsche Geschichtsforschung hat sich in den letzten Jahren deshalb auf den Königshof konzentriert, weil dieser nicht nur als kulturelles Zentrum von Bedeutung war, sondern die wichtige politische, soziale und auch konsumationswirtschaftliche Institution im Deutschen Reich des Mittelalters und der frühen Neuzeit darstellte. Nach seinem Vorbild richten sich seit dem 12./13. Jahrhundert auch die Fürstenhöfe in den einzelnen Ländern, die als regionale Zentren immer größere Bedeutung gewannen. Werner Paravicini hat die vielfältigen Funktionen des Hofes folgendermaßen charakterisiert: "Der Hof ist politisches Entscheidungszentrum und Machttheater, Verbrauchs- und Vergnügungszentrum, Verteiler, Ort und Maklersitz von und für Macht, Geld, Güter und soziale Chancen, für Geschmacksformen, Ideen und Moden aller Art, er ist Heiratsmarkt, Erziehungs- und Überwachungsanstalt für Minderjährige und für Rivalen, aber auch Bewahranstalt für noch nicht beerbte Fürsten und für jüngere Söhne zu Lebzeiten der Väter, zuweilen Hohe Schule, stets Schnittpunkt von Geistlichem und Weltlichem".

Versucht man die Polyvalenz des Hofes darzustellen, so stehen dabei folgende Funktionen im Vordergrund: Der Hof muss

1. das tägliche Leben organisieren

2. Zugang und Sicherheit gewährleisten

3. das Prestige des Fürsten erhalten und erhöhen

4. Machteliten neutralisieren und integrieren

5. regieren und verwalten.

Zu berücksichtigen ist dabei, dass nicht rationale Verwaltung sondern "Herrenleben" Ziel und Voraussetzung des Hofes darstellte.

Konrad von Megenberg, Domprobst in Regensburg, unterscheidet um die Mitte des 14. Jahrhunderts in seiner "Ökonomik" zwischen der "Curia minor", dem (kleineren) Haushalt des Königs oder Fürsten, und der "Curia maior", dem (größeren) Hof. Während zum Hof der Adel (servi honesti) zählt, der sich in der Umgebung des Königs aufhält, besorgen die Hofbediensteten (servi utiles) den täglichen Haushalt. Als wichtigste Einrichtung am Königshof bilden sich bereits unter den Frankenkönigen aus dem Geschlecht der Merowinger die Hofämter des Marschalls, des Kämmerers, des Mundschenken, des Senneschalls und des Hausmeiers aus. Unter ihnen avancierte des Hausmeier zum mächtigsten Hofbeamten, bis die karolingischen Hausmeier selbst die Herrschaft übernahmen. Erzbischof Hinkmar von Reims nennt in seiner um 882 verfassten Schrift "De ordine palatii", in der er rückblickend den Hof Karls des Großen beschreibt, als weltliche Hofbeamte den Kämmerer, Seneschall, Mundschenk, Marschall, Pfalzgraf, Quartiermeister und einige Oberjäger. Von ihnen war der Kämmerer zusammen mit der Königin für die gesamte Haushaltsführung des Hofes verantwortlich. Zur Unterstützung waren diesen Hofbeamten zahlreiche niedere Hofbedienstete als Helfer zugeteilt.

Am hochmittelalterlichen deutschen Königshof bildeten sich unter den sächsischen Kaisern (Ottonen) die vier Hofämter aus, die bei feierlichen Anlässen wie dem Krönungsmahl von den Stammesherzögen wahrgenommen wurden: Der Truchseß war als Leiter der Hof-und Güterverwaltung auch für die Versorgung der königlichen Tafel mit Speisen zuständig, für die Getränke war der Mundschenk verantwortlich, der Kämmerer hatte für die Garderobe und den Schatz des Herrschers sowie für die Kosten der Hofhaltung zu sorgen und der Marschall führte die Aufsicht über den königlichen Reitstall und das Transportwesen des Königshofs. Diese Haupthofämter gelangten im 12. Jahrhundert in die Hand der mächtigsten weltlichen Fürsten und wurden diesen im Sachsenspiegel bestätigt. Als die vier "Erzämter" des Reiches befanden sie sich gemäß goldener Bulle von 1356 im Besitz der vier weltlichen Kurfürsten. Im alltäglichen Hofdienst wurden die vier Haupthofämter seit dem 11. Jahrhundert von Ministerialen (Dienstmannen) ausgeübt.

 

 

                 

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